Redispatch 2.0: Übersicht

Redispatch ist das Verfahren, mit dem Netzbetreiber Netzengpässe bewältigen. Dabei wird die Einspeisung über einen externen Befehl angepasst. Für Redispatch 2.0 werden zwei separate Schnittstellen benötigt: eine für die physikalische Echtzeitsteuerung (Hardware) und eine für die datenbasierte Einsatzplanung (Software/Plattform).

1. Die physikalische Schnittstelle (Echtzeitsteuerung)

Dies ist die „Box“ in Ihrer Anlage. Sie übersetzt die Signale des Netzbetreibers in Befehle für Ihren EZA-Controller (Steuerung der Stromerzeugungseinheit). Obwohl Hardware und Konfiguration je nach Netzbetreiber variieren, verwenden sie fast ausnahmslos dasselbe Kommunikationsprotokoll (IEC 104).

  • Die Hardware:
    • Anlagen > 100 kW: In der Regel benötigen Sie ein Fernwirkgerät. Dieses ist fortschrittlicher als die älteren Rundsteuerempfänger.
    • Zukünftiger Standard: Zunehmend wird dies durch ein Smart-Meter-Gateway (iMSys) in Verbindung mit einer Steuerbox realisiert. Für viele gewerbliche Projekte bleibt das klassische Fernwirkgerät jedoch weiterhin Standard.
  • Das Protokoll:
    • IEC 60870-5-104 (IEC 104): Dies ist die Standardsprache für die Kommunikation über TCP/IP.
    • Ablauf: Der Netzbetreiber sendet über dieses Protokoll einen Sollwert (z. B. „Leistung auf 60 % reduzieren“). Ihr System muss mit Echtzeitwerten antworten (z. B. „Aktuelle Leistung: 60 kW“).
  • Die Verbindung:
    • Dies wird üblicherweise über eine sichere VPN-Verbindung oder einen dedizierten mobilen Router (4G/LTE) mit einer SIM-Karte hergestellt, die oft vom Netzbetreiber bereitgestellt oder vorgegeben wird.

2. Die Datenschnittstelle (Planung und Verwaltung)

Redispatch 2.0 erfordert außerdem, dass Sie den Netzbetreiber im Voraus über Ihre Erzeugungspläne und im Nachhinein über Ihre tatsächliche Produktion (für Abrechnungszwecke) informieren. Dieser Datenaustausch erfolgt nicht über die Hardware, sondern über eine Webplattform.

  • Die Platform:
    • Connect+ (oder gelegentlich RAIDA): Dies ist der zentrale Datenknotenpunkt, der von der Mehrheit der deutschen Netzbetreiber genutzt wird.
  • Was kann über diese Plattform übertragen werden:
    • Stammdaten: Identifizierung Ihres Unternehmens und der technischen Kapazitäten Ihres Werks.
    • Planungsdaten: Prognosen, z. B. „Morgen plane ich, Menge X zu produzieren.“
    • Nichtverfügbarkeiten: Statusaktualisierungen, z. B. „Mein Werk ist am Dienstag wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb.“
  • Wie macht man das?
    • Kleinere Anbieter: Können dies manuell über ein Webportal erledigen.
    • Große Anbieter: Verwenden typischerweise eine API, um diesen Prozess zu automatisieren, oft über einen Direktvermarkter.

Wichtiger Hinweis: Die meisten Betreiber von Industrieanlagen bauen die Datenschnittstelle nicht selbst. Stattdessen beauftragen sie einen Direktvermarkter oder einen spezialisierten Dienstleister als Einsatzverantwortlichen (EIV). Der Betreiber stellt lediglich die Hardware (das Gerät) vor Ort bereit, während der EIV den komplexen täglichen Datenaustausch übernimmt.

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